Herbert Molderings

Christoph Schaden/PHOTONEWS: Herr Molderings, Sie haben eine Professur am kunsthistorischen Institut der Universität Bochum und zählen zu den ersten Kunsthistorikern der 68er, die das Medium Fotografie überhaupt ins Visier genommen haben. Wie wurde man in jenen Jahren überhaupt auf dieses Medium aufmerksam?

 

Herbert Molderings: Schon als Gymnasiast war ich Fotoamateur und habe begeistert fotografiert. Damals habe ich bereits die Photokinen besucht. Einen Moment habe ich auch mit dem Gedanken gespielt, Fotografie in Ulm zu studieren. Aber irgendwie überwogen bei mir dann doch die theoretischen Interessen. Als ich 1967 begann, in Bonn Kunstgeschichte zu studieren, musste ich sehr schnell feststellen, dass das fotografische Bild in der Geschichte der Kunst keinen Platz hatte. Was mich wunderte, war, dass die Fotografie nicht nur von den Professoren, sondern auch von den Kommilitonen nicht als kunstwürdig erachtet wurde. Dementsprechend konnte sie auch kein Gegentand der kunsthistorischen Forschung sein. Bei Herbert von Einem, einem großartigen Kunsthistoriker, der damals am Bonner Institut lehrte, endete die Kunstgeschichte um 1880/90. Da ich mich besonders für die moderne Kunst interessierte, wechselte ich nach drei Semestern an die Ruhr-Universität Bochum zu Max Imdahl. Doch auch in seinen Augen war die Fotografie ein rein technisches, kein künstlerisches Medium. Als ich ihm vorschlug, über die Zusammenhänge zwischen Fotografie und Malerei im 19. Jahrhundert zu promovieren, riet er mir ab, da er sich nicht in der Lage sah, die Dissertation zu betreuen. Doch führten unsere Diskussionen seinerseits zu einer Hinwendung zur Fotografie. 1970 fuhren wir gemeinsam zu einer dem Thema„Fotografie“ gewidmeten Tagung der interdisziplinären Forschungsgruppe „Poetik und Hermeneutik“ nach Konstanz. Die Tagungsvorträge sind damals nicht veröffentlicht worden; man war wohl - meines Erachtens zu Recht - der Meinung, dass die Arbeitsergebnisse den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen der Forschungsgruppe nicht genügten. Imdahl hielt dort den mit Abstand interessantesten Vortrag, der 1970 in der Festschrift Gert von der Osten erschienen ist: „Die Momentfotografie und ‚Le Comte Lepic’ von Edgar Degas“.
»The question of the title is not yet resolved«.

 

Ein Interview mit Herbert Molderings, in: Photonews 4/2007, S. 14-15

Image: Herbert Molderings

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