Tod Papageorge

Tod Papageorge

Passing through Eden


Tod Papageorge (٭1940) als einen „großen Unbekannten“ der US-amerikanischen Fotografie zu bezeichnen, liegt nahe, denn hierzulande war er bisher weder in den einschlägigen Fachlexika aufgeführt noch in Publikationen präsent. Jedoch ist es diesmal nicht der deutschen Theoriemüdigkeit anzulasten, dass der renommierte Gelehrte und Kritiker, der seit 1979 durch seine Professur an der Yale University in New York gleich mehrere Fotografen-Generationen geprägt hat, - zu seinen Schülern zählen etwa Philip-Lorca diCorcia, Gregory Crewdson und Anna Gaskell - mit Verspätung ins Visier des Kunstbetriebs geraten ist. Denn wie bei John Szarkowski, mit dem Papageorge seit den 60er Jahren befreundet war, gelangten die eigenen Fotoarbeiten erst im hohen Lebensalter an die Öffentlichkeit.

Mit „Passing Through Eden“ legt der Steidl Verlag nun einen betont leichtfüßigen Bildband vor, der 105 Schwarzweißaufnahmen aus den Jahren 1966 bis 1992 vereint. Sein Thema ist der Central Park in New York, den Papageorge kontrapunktisch zu den angstbesetzten Stereotypen der Bild- und Printmedien über die Jahre hinweg als einen kollektiv stimmigen Rückzugsbereich der Stadtbevölkerung dokumentiert hat. Menschen lesen dort, essen ein Butterbrot, küssen einander oder liegen einfach dösend auf der Wiese. Spektakuläres oder Verkopftes sucht man vergeblich. Flanierend im Sinne von Cartier-Bresson entfaltet die Bilderfolge vielmehr behutsam ein Gegenbild des Parks als elysisches Panorama, ohne jemals ins Kitschige abzudriften. Nicht zuletzt liegt ein besonderer Reiz von „Passing Through Eden“ darin, dass dieser offene und ideologiefreie Blick ausgerechnet von einem führenden Intellektuellen der Fotografie stammt. Schließlich gab Papageorge in einem Interview kürzlich zu: „I have  this reputation of being a sort of a difficult case.“

Christoph Schaden, 2008

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