Man Ray & L. Fritz Gruber

A man who never wished to become a photographer

Der Kulturpreis der DGPh im Jahre 1966


Am 4. September 1966 wartete die renommierte New York Times mit einer Kurzmeldung auf, die über eine Preisverleihung jenseits des Atlantiks berichtete. „Man Ray, a native New York artist living in Paris, and Prof. Alexander Smakula, chief of a laboratory at the Massachusetts Institute of Technology, will receive equal shares of the $ 2,500 Culture Prize of the German Photographic Society.“ Bereits im Vorfeld ihrer Preisverleihung, die im Rahmen der Photofachmesse photokina am in Köln stattfand, hatte die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) eine internationale Öffentlichkeit erreichen können. Dies lag nicht allein an dem Umstand, dass mit Man Ray und Alexander Smakula zwei namhafte Personen geehrt wurden, die beide eng mit den Vereinigten Staaten verbunden waren. Das hohe Medienecho resultierte auch aus dem spezifischen Profil der Auszeichnung.

Mit dem Kulturpreis der DGPh, die 1951 durch L. Fritz Gruber initiiert worden war, sollten von Beginn an Persönlichkeiten für besondere Leistungen geehrt werden, „die mit Hilfe der Photographie erzielt wurden, insbesondere auf künstlerischem, humanitärem, karitativem, sozialem, technischem, erzieherischem oder wissenschaftlichen Gebiet.“ In der Urkunde des 1958 gestifteten Kulturpreises drückte sich bereits eine betont offene Fokussierung auf das technische Bildmedium aus, welche sich u.a. in der heterogenen Mitgliederstruktur der DGPh widerspiegelt, die derzeit etwa 1000 Personen aus verschiedensten Berufsgruppen umfasst. Daher ist es bis heute Zielsetzung der ideellen Organisation, sich vorrangig für die kulturellen Belange der Photographie und verwandter Bildmedien einzusetzen. In ihren Aktivitäten hat die DGPh die konventionellen Verfahren der Photographie und deren vielfältige Anwendungsgebiete in Kunst, Wissenschaft, Bildung, Publizistik, Wirtschaft und Politik ebenso einbezogen wie nicht konventionelle Verfahren und neue Bildmedien. Auch im Kulturpreis sollte von Beginn an die vielfältigsten Anwendungsgebiete der Photographie berücksichtigt werden. Unter der Federführung von L. Fritz Gruber galt es damals, bei der Wahl der jeweiligen Preisträger den Blick bewusst auf eine internationale Perspektive zu lenken. Es handelte sich um eine weitsichtige Entscheidung, denn die Photographie ist bis in die Gegenwart ein weltumspannendes Phänomen geblieben.

Seinem unverwechselbaren Profil ist es wohl zu verdanken, dass der Kulturpreis der DGPh im Laufe der Jahrzehnte Photogeschichte schreiben konnte. Bei der Erstvergabe im Jahre 1959 fiel die Wahl auf den britischen Photohistoriker Helmut Gernsheim, der zusammen mit dem in Bonn tätigen Röntgenologen Robert B. Janker ausgezeichnet wurde. Zu Beginn der 60er Jahre folgten u.a. der New Yorker Bildjournalist Alfred Eisenstaedt (1962), die in Prag geborene Chemikerin Edith Weyde (1963) und der Schweizer Reisephotograph Emil Schulthess (1964). Als dann 1966 mit Man Ray die erste ausgewiesene Künstlerpersönlichkeit den Kulturpreis erhielt, ehrte die DGPh laut Urkunde „einen bedeutenden Altmeister der gestalterischen Photographie. Seine vielfältigen Schöpfungen wirkten stilbildend und fanden internationale Anerkennung.“

„This is indeed a great honor for a man who never wished to become a photographer“, merkte hierzu der Youngstown Indicator in seiner Ausgabe vom 25.9.1966 an. „Instead he shed restrictions and taboos, with which the professional photographers so often tend to inhibit themselves and in so doing became an expert with the camera.“ Wie innovativ die Ehrung des Lebenswerks von May Ray, den L. Fritz Gruber vorgeschlagen hatte, tatsächlich sein sollte, bewahrheitete sich für die DGPh noch vierzig Jahre später. Bei der Vergabe des Kulturpreises 2006 an den amerikanischen Konzeptkünstler Ed Ruscha fanden nahezu dieselben Worte Erwähnung. Auch er wollte niemals Photograph werden und fühlte sich gleichwohl tief geehrt.

Christoph Schaden, 2008

 

Text erschienen in:

Man Ray – L. Fritz Gruber. Jahre einer Freundschaft 1956-1976

Ausst.-Kat. Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur

Göttingen 2008, S. 81-82

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