Mashup

MASHUP

9.-11.2.2007, artrmx, Rhenania, Köln

 

Fast hätten wir sie entsorgt, wie jedes Jahr. Denn der Drang, zum 1. Januar ein wenig „Tabula Rasa“ zu machen, hat sich in den letzten Jahren regelrecht in ein Ritual verwandelt. Wegschmeißen, tief durchatmen und nach vorne schauen, heißt die Devise. Dass sie überhaupt noch da gewesen sind, verdankt sich unserem Sammeltrieb. Übers Jahr hinweg pflegen wir sie je nach Eingang in eine blaue Plastikkiste abzulegen. Einige wenige schmücken zwar zwischenzeitlich den Schreibtisch. Doch der Großteil überdauert vergessen und wild geschichtet in der Zwischenablage. Wenn das Jahr dann zu Ende geht, ist die Kiste voll. Ja, es geht hier um Einladungskarten. Um einen weitgehend unbeachtet gebliebenen Lockvogel der Fotografie.

Der Blick in unsere blaue Kiste offenbart ein Dilemma. Eindrucksvoll zeugt die Masse der gestapelten Einladungskarten zwar vom Siegeszug der Fotografie. (Für 2006 sind in Deutschland allein für den Bereich Fotografie und Video rund 2.200 Ausstellungen nachgewiesen. Das macht sechs Ausstellungen pro Tag. Wann ging es der Fotografie jemals besser?) Allerdings wirken die Einladungskarten im üppigen digitalen Datenflow eher altbacken. Zumal sie allzu oft ein schlechtes Gewissen hervorrufen. Sie sind wohl auch Spiegel dessen, was wir wieder mal verpasst haben. Kein Marktwert, keine Chance auf Beachtung.

Dabei sind viele einfach schön. Wir brauchen Stunden, um die Motive zu sichten. Unsere Blicke kleben fest an den Stacheln eines jedes Frontbildes. Einmal ausgelegt, dokumentiert das Fotopatchwork der Einladungskarten, worin die Faszination unserer Lockvögel besteht. Es ist das längst abgeschworene Bekenntnis zum Einzelbild, das in den Preziosen ein letztes Refugium gefunden hat. Es soll zwar lediglich als Eyecatcher und visueller Appetizer dienen, entfaltet zugleich aber die geballte Magie der Fotografie. Hier ein Weegee, dort ein Tillmans. Das soll der neue Gursky sein? Unsere Sichtung endet in Rätselraten und Schwelgerei. Wozu eine blaue Kiste alles gut sein kann…

Syndicate content